Die Republik
Freiheit wird in Gersau nicht behauptet. Sie wurde gekauft, verteidigt — und rund vier Jahrhunderte gelebt.
Der Freikauf
Am 3. Juni 1390 kaufte sich Gersau von aller fremden Herrschaft frei — für 690 Pfund Pfennige. Kein Fürst schenkte diese Freiheit; das Dorf bezahlte sie mit eigenem Geld. Aus dem Freikauf ging die Genossame hervor — die Körperschaft besteht bis heute.
Was folgte, war ein Staat im Kleinsten: eigene Gerichtsbarkeit, eigene Steuerhoheit, eigene Miliz. 1433 bestätigte Kaiser Sigismund alle Rechte — Gersau stand reichsunmittelbar, unter kaiserlichem Siegel, niemandem verpflichtet als dem Reich selbst. Lange wurde es die kleinste Republik Europas genannt.

Die Chronik
- 1064
- Erste Erwähnung: «Gersouwe», im Stifterbuch des Klosters Muri.
- 31. August 1359
- Bündnis mit den vier Waldstätten, als zugewandter Ort.
- 3. Juni 1390
- Der Freikauf: 690 Pfund Pfennige. Ursprung der bis heute bestehenden Genossame.
- 31. Oktober 1433
- Kaiser Sigismund bestätigt alle Rechte: reichsunmittelbar, unter kaiserlichem Siegel.
- 28. Juni 1436
- Eigenes Hofrecht und Eherecht; Landsgemeinde, eigener Rat, eigenes Gericht.
- 1745
- Bau des Alten Rathauses — Ratsstube und Gericht der Republik.
- 1798
- Fall der Republik mit dem französischen Einmarsch.
- 2. Februar 1814
- Die Landsgemeinde stellt die altfreie Republik wieder her.
- 1817/1818
- Zuteilung an Schwyz, gegen den Willen Gersaus; Auflösung am 1. Januar 1818.
Die Republik scheiterte nicht. Sie wurde beendet — gegen den Willen ihrer Bürger.
Das Alte Rathaus
1745 gebaut, war es Ratsstube und Gericht der Republik; heute beherbergt es das Ortsmuseum. LIBERTAS öffnet und schliesst in diesem Gebäude: am Freitag die Vereidigung, am Sonntag die Führung durch die Geschichte. Anfang und Ende, in einem Raum.
Die Signaturstunde der Rallye — 17:45 Uhr — trägt das Jahr dieses Hauses: 1745. Sie ist ein Ritual der Rallye.

Der Brunnen
Vor dem Alten Rathaus steht der Brunnen. Seine Inschrift:
«Gersau bleibt Gersau, ein freies Volk, ein freies Land.»
Die Zeile stammt nicht von uns. Sie steht dort, in Stein — und sie ist die Signatur dieses Wochenendes.

Der Gulden
Die historische Republik prägte keine Münze. Die Währung kam später — und das ist die bessere Geschichte: Zum 200-Jahr-Jubiläum ihrer Republik schufen sich die Gersauer 2014 eine eigene Währung. Der Gersauer Gulden, im Wert von zehn Franken, wird in den Betrieben des Dorfes angenommen. Gestaltet von einer Gersauerin; die Rückseite entstand in einem Jugend-Wettbewerb.
Bei der Investitur erhält jede Crew einen — als Symbol der Bürgerschaft.
